Bitcoin – Bitcoin Wiki

Meine kurzen Erfahrungen mit Kryptogeld

Ich habe vor wenigen Tagen 50€ in Monero getauscht, um das Konzept auszuprobieren. Hintergrund ist folgender: ich wollte eine Möglichkeit haben, im Internet einfach anonym zu zahlen.
Eins vorweg: das hier soll kein Anlagethread oder sowas sein, weder will ich dafür eine Empfehlung aussprechen noch davon abraten; ich selber würde es momentan nicht als Geldanlage empfehlen. Aber vielleicht gibt es ja hier Personen, die auch mal mit den Gedanken gespielt haben.
Vorab: Warum Monero und nicht Bitcoin? Monero ist eine standardmäßig anonyme Währung, die in der Anwendung eher dem Bargeld als dem Buchgeld ähnelt. So gibt es mehrere Features, die es anonymisieren. Das Unter ist hilfreich und man kommt ggf. auch mit den Entwicklern ins Gespräch. Seit Oktober letzten Jahres sind die Überweisungsgebühren durch eine technische Änderung extrem gesunken (momentan umgerechnet 0,16 Cent pro Überweisung). Die Währung ist fungibel, d.h. im Gegensatz zu Bitcoin gibt es kein "schmutziges" Geld. Der einzige "Nachteil" ist, dass eine Überweisung nicht instantan ist, aber trotzdem schneller als Bitcoin ohne Lightning und meiner Erfahrung nach auch die Überweisung zwischen zwei Banken. Genaueres kann man besser woanders nachlesen, z.B. bei der Wikipedia.
Ich habe mich bei einer Börse angemeldet (in dem Fall Kraken.com) und einen Account eingerichtet. Die Prozedur danach ist für Deutsche bzw. für Personen, die in Deutschland leben und ein deutsches Bankkonto haben relativ zeitaufwändig, wenn sie mit Fiatgeld handeln wollen, da man de facto eine sogenannte Tier 3 Verifikation durchführen muss. Das bedeutet, man muss der Börse ein Bild des Ausweises oder Reisepasses schicken (mit den Rändern sichtbar), einen Addressnachweis, nicht älter als drei Monate (z.B. eine Stromrechnung, bei mir ging auch die Gehaltsbescheinigung, die per Post kam), und zu guter Letzt ein Foto, auf dem der Oberkörper und Gesicht sichtbar sind und man lesbar den Ausweis in der einen und einen lesbaren, handgeschriebenen, datierten und unterschriebenen Zettel hält. Aber gut, ist halt eine Vorkehrung gegen Geldwäsche und das verstehe ich.
Ich habe mich auf der Seite gegenüber anderen, bekannteren angemeldet, weil sie einerseits einen relativ guten Ruf hat und andererseits das direkte Eintauschen von Monero gegen Euro erlaubt. Einige Börsen bieten nur Euro gegen Bitcoin, die man dann weiter in die gewünschte Währung tauschen muss. Bei Kraken funktioniert dies direkt.
Man überweist nun Geld mit Verwendungszweck an die Börse, die passenderweise auch ein deutsches Bankkonto hat. Das Geld wurde mir dann am nächsten Tag morgens gutgeschrieben. Hierfür berechnet Kraken keine Gebühren, wenn man eine SEPA-Überweisung verwendet. Das Geld habe ich dann zum aktuellen Kurswert in Monero getauscht (knapp 50 Euro in 1,25 Moneroj - Kraken berechnete hier glaube ich 0,42% Gebühr) und wollte es von der Börse in mein Wallet transferieren, so wie Kraken es auch empfiehlt.
Nun der meiner Meinung nach größte Haken, auf den bei der Anmeldung nicht ohne weiteres hingewiesen wird: Kraken verbietet drei Tage nach der ersten Einzahlung von deutschen und österreichischen Konto das Abheben von 125% der Fiateinzahlung. D.h. Kraken behielt für drei Tage das Äquivalent von $76 (warum auch immer in Dollar, aber sei es drum) ein — ein Abheben war also nicht möglich. Ich habe also drei Tage gewartet, was bis heute war.
Heute also der große Tag und ich habe das Geld in mein Wallet auf Android (Monerujo) transferiert. Dazu muss die relativ lange Adresse korrekt in das Webinterface übertragen werden. Glücklich, wer KDE Connect hat und die Adresse auf dem Schlaufon kopieren und dann am Rechner einfügen kann. Andersrum ist es dank QR Code immer einfach.
Nach wenigen Minuten (>5) bekam ich auch schon die Meldung auf dem Telefon angezeigt, dass die Überweisung gestartet, aber noch nicht bestätigt sei. Dies geschah dann nach den erwarteten 20 Minuten, vielleicht war es auch etwas weniger.
Ich habe dann ein digitales Produkt für ca. 0,0448 XMR gekauft. Nach ca. 20 Minuten habe war die Zahlung beim Händler bestätigt (beim Zwischenhändler ging es etwas schneller). Keiner von beiden hat je meinen richtigen Namen gesehen.
Wie Eingangs gesagt soll das keine Aufforderung sein, XMR zu kaufen oder gar als Wertanlage zu investieren. Gerade von letzterem rate ich ab, das ist immer noch Glücksspiel, und wie bei jedem Glücksspiel ist der Totalverlust des Einsatzes möglich.
Alles in allem bin ich mit dem Verlauf ziemlich zufrieden, auch wenn der Start etwas langsam vonstattenging. Ist es DAS Zahlungsmittel der Zukunft? Momentan nicht, da eine Schicht wie Lightning "fehlt", die quasi-Instantane Überweisungen ermöglicht. Laut Entwicklern wird daran jedoch gearbeitet. Meiner Meinung nach eine interessante Sache, die es im Auge zu behalten lohnt.
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